Entwässerung

Versickerung auf dem Grundstück

Gartenweg mit Kiesstreifen zur Versickerung
Foto: Quelle / Pexels

Regenwasser dort versickern zu lassen, wo es fällt, statt es in die Kanalisation abzuleiten – dieser Gedanke gewinnt zunehmend an Bedeutung. Häufigere Starkregen, überlastete Kanalisationen und der Wunsch, das Grundwasser zu speisen, machen die Versickerung auf dem eigenen Grundstück zu einem wichtigen Thema. Zugleich ist sie vielerorts vorgeschrieben oder gefördert. Dieser Beitrag zeigt, wie Versickerung funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt.

Warum Versickerung sinnvoll ist

Versiegelte Flächen leiten Regenwasser ab, statt es versickern zu lassen. Bei Starkregen entstehen so in kurzer Zeit große Wassermengen, die die Kanalisation überlasten und zu Überflutungen beitragen können. Zugleich fehlt das Wasser dem Grundwasser. Die Versickerung kehrt diesen Effekt um: Sie lässt das Wasser vor Ort in den Boden gelangen, entlastet die Kanalisation und führt es dem natürlichen Wasserkreislauf zu.

Für Grundstücksbesitzer kommt ein praktischer Anreiz hinzu. Viele Kommunen berechnen eine Niederschlagswassergebühr nach versiegelter Fläche. Wer versickerungsfähig baut oder Flächen entsiegelt, kann diese Gebühr oft reduzieren – ein finanzieller Vorteil, der sich über die Jahre summiert.

Die Möglichkeiten im Überblick

Es gibt mehrere Wege, Regenwasser auf dem Grundstück versickern zu lassen:

MethodeFunktionBesonderheit
Versickerungsmuldeflache, begrünte Geländevertiefungnaturnah, einfach
Rigoleunterirdischer Speicherunsichtbar, bei wenig Platz
durchlässige BelägeSickerpflaster, Rasengitterbefahrbar, versickernd
begrünte FlächenBeete, Rasennatürliche Versickerung

Häufig werden diese Methoden kombiniert, etwa durchlässiges Pflaster über einer Rigole oder eine Mulde neben einer befestigten Fläche.

Die Rolle des Bodens

Ob Versickerung funktioniert, hängt entscheidend vom Boden ab. Durchlässige, sandige Böden nehmen Wasser gut auf, während bindige Lehmböden es stauen. Ein einfacher Versickerungstest – ein Loch graben, mit Wasser füllen und die Zeit bis zum Versickern messen – gibt Aufschluss. Bei schlecht durchlässigem Boden hilft eine Rigole, die Wasser zwischenspeichert und langsam abgibt. Mehr dazu im Beitrag Rigole – Regenwasser speichern und versickern.

Versickerungsmulde: die naturnahe Lösung

Die einfachste Versickerungsform ist die Mulde. Eine flache, begrünte Geländevertiefung sammelt das Regenwasser und lässt es langsam versickern. Sie fügt sich naturnah in den Garten ein, lässt sich bepflanzen und bietet Lebensraum. Eine Mulde eignet sich, wenn ausreichend Platz vorhanden ist und der Boden ausreichend durchlässig ist. Bei wenig Platz oder schlecht durchlässigem Boden ist die unterirdische Rigole die bessere Wahl.

Durchlässige Beläge

Wo Flächen befestigt werden müssen, sorgen durchlässige Beläge für Versickerung. Sickerpflaster, Rasengittersteine und Beläge mit breiten, gefüllten Fugen lassen Wasser durch und entlasten so die Kanalisation. Wichtig ist, dass auch der Unterbau durchlässig ist. Details bieten die Beiträge Versickerungsfähige Einfahrt und Rasengittersteine für die Einfahrt.

Rechtliches beachten

Ob und wie versickert werden muss, ist kommunal geregelt und unterscheidet sich von Ort zu Ort. Vielerorts besteht eine Versickerungspflicht, mancherorts gibt es Gebührenvorteile oder Förderungen. Weil sich diese Regelungen ändern, lohnt sich vor der Planung eine gezielte Nachfrage bei der Gemeinde. Ein Nachweis der versickerungsfähigen Fläche ist für Gebührenvorteile meist erforderlich.

Versickerung als Zukunftsthema

Die Bedeutung der Versickerung wächst mit dem Klimawandel. Häufiger auftretende Starkregenereignisse bringen in kurzer Zeit große Wassermengen, die klassische Kanalisationen überfordern und zu Überflutungen führen können. Jede Fläche, die Wasser vor Ort aufnimmt statt es abzuleiten, entlastet dieses System und trägt zum Hochwasserschutz bei. Zugleich verschärfen längere Trockenphasen den Bedarf, Regenwasser dem Boden und dem Grundwasser zuzuführen, statt es ungenutzt fortzuleiten.

Aus diesem Grund verschärfen viele Kommunen ihre Vorgaben und fördern entsiegelte oder versickerungsfähige Flächen. Wer heute plant, tut deshalb gut daran, die Versickerung von Anfang an mitzudenken – nicht nur aus ökologischer Überzeugung, sondern auch, weil sich die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zunehmend in diese Richtung entwickeln. Eine versickerungsfähige Gestaltung ist damit eine zukunftssichere Entscheidung.

Versickerung und Regenwassernutzung

Ein sinnvoller Gedanke ist, Versickerung mit der Nutzung von Regenwasser zu verbinden. Statt alles Wasser versickern zu lassen, kann ein Teil in einer Zisterne oder Regentonne gesammelt und zur Gartenbewässerung genutzt werden. Der Überlauf wird dann versickert. So verbindet man den ökologischen Nutzen der Versickerung mit der praktischen Nutzung des Regenwassers – ein doppelter Gewinn, gerade in trockenen Sommern, in denen Gießwasser knapp und teuer wird. So wird das Regenwasser gleich zweifach sinnvoll genutzt, bevor der Rest dem Boden zugutekommt.

Fazit

Die Versickerung auf dem Grundstück ist ökologisch sinnvoll, entlastet die Kanalisation und kann Gebühren sparen. Ob Versickerungsmulde, Rigole oder durchlässiger Belag – entscheidend ist ein ausreichend durchlässiger Boden und eine zur Situation passende Methode. Wer die kommunalen Vorgaben früh klärt und die Versickerung in die Planung einbezieht, leistet einen sinnvollen Beitrag zum Umgang mit Regenwasser.

Häufige Fragen

Was bedeutet Versickerung?

Regenwasser wird vor Ort in den Boden geleitet und versickert dort, statt in die Kanalisation abgeführt zu werden. Das entlastet die Kanalisation, führt das Wasser dem Grundwasser zu und ist ökologisch sinnvoll.

Welche Möglichkeiten der Versickerung gibt es?

Versickerungsmulden, Rigolen, durchlässige Beläge wie Sickerpflaster und Rasengittersteine sowie begrünte Flächen. Oft werden mehrere Methoden kombiniert, etwa Sickerpflaster über einer Rigole.

Funktioniert Versickerung auf jedem Boden?

Nein. Durchlässige, sandige Böden versickern gut, bindige Lehmböden schlecht. Bei schlecht durchlässigem Boden hilft eine Rigole als Zwischenspeicher. Ein Versickerungstest zeigt die Durchlässigkeit.

Ist Versickerung vorgeschrieben?

Vielerorts besteht eine Pflicht oder starke Empfehlung zur Versickerung auf dem Grundstück. Die Regelungen sind kommunal unterschiedlich und sollten vor der Planung geprüft werden.

Spart Versickerung Gebühren?

In vielen Kommunen ja. Wer versiegelte Flächen reduziert oder wasserdurchlässig baut, kann die Niederschlagswassergebühr senken. Ein Nachweis gegenüber der Kommune ist meist erforderlich.

Was ist eine Versickerungsmulde?

Eine flache, begrünte Geländevertiefung, in der Regenwasser gesammelt wird und langsam versickert. Sie ist eine einfache, naturnahe Versickerungsform, die sich gut in den Garten einfügt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Fachberatung im Einzelfall. Preisangaben sind Orientierungswerte.