Jeder Tropfen Regen, der auf eine befestigte Fläche fällt, muss irgendwohin. Kann er nicht versickern, wird er zu Oberflächenwasser, das kontrolliert abgeleitet werden muss – sonst sammelt es sich, dringt in Bauteile ein oder läuft dorthin, wo es Schaden anrichtet. Dieser Beitrag erklärt, was Oberflächenwasser ist, wie es geführt wird und welche rechtlichen Vorgaben zu beachten sind.
Was Oberflächenwasser ist
Als Oberflächenwasser bezeichnet man Regenwasser, das auf befestigte, wenig durchlässige Flächen fällt und dort nicht versickern kann. Dazu zählen Terrassen, Wege, Einfahrten, Höfe und Dächer. Anders als auf einer Wiese, wo Regen im Boden versickert, läuft das Wasser auf diesen Flächen ab und sammelt sich, wenn es nicht geführt wird. Je größer die versiegelte Fläche, desto mehr Oberflächenwasser fällt an – bei Starkregen in kurzer Zeit erhebliche Mengen.
Dieses Wasser ist nicht per se ein Problem, solange es kontrolliert abgeleitet wird. Kritisch wird es erst, wenn es unkontrolliert läuft: zum Haus, auf Nachbargrundstücke oder die Straße, oder wenn es sich in Senken sammelt und stehen bleibt.
Die Ableitung planen
Die Ableitung von Oberflächenwasser folgt einem klaren Prinzip. Zunächst wird das Wasser über ein Gefälle gesammelt und geführt, dann über Rinnen oder Punktabläufe aufgenommen und schließlich einer Ableitung zugeführt:
- Gefälle: führt das Wasser gesammelt in die gewünschte Richtung
- Rinne oder Punktablauf: nimmt das Wasser auf
- Ableitung: Versickerung, Rigole oder Kanalisation
Grundlagen zum Gefälle bietet der Beitrag Gefälle richtig planen, zu den Rinnen der Beitrag Entwässerungsrinnen – Arten und Auswahl.
Wohin mit dem Wasser?
Für die Ableitung des gesammelten Oberflächenwassers gibt es mehrere Wege. Zunehmend wird die Versickerung vor Ort bevorzugt, um die Kanalisation zu entlasten:
- Versickerung: über Mulde, durchlässige Beläge oder Rigole
- Kanalisation: wo zulässig und genehmigt
- Vorfluter: in einen Bach oder Graben, sofern erlaubt
Details bieten die Beiträge Versickerung auf dem Grundstück und Rigole – Regenwasser speichern und versickern.
Rechtliches: Wasser ist Sache des Eigentümers
Ein wichtiger rechtlicher Grundsatz lautet: Jeder ist für die Ableitung des auf seinem Grundstück anfallenden Wassers selbst verantwortlich. Oberflächenwasser darf nicht unkontrolliert auf Nachbargrundstücke oder die öffentliche Straße geleitet werden. Wer sein Wasser dem Nachbarn zuleitet, riskiert Streit und rechtliche Konsequenzen. Wie das Wasser abgeleitet werden darf, ist zudem kommunal geregelt – eine Klärung vor der Planung erspart Ärger.
Weniger ist mehr: Versiegelung reduzieren
Der wirksamste Umgang mit Oberflächenwasser ist, gar nicht erst zu viel davon entstehen zu lassen. Je weniger Fläche versiegelt ist, desto weniger Wasser fällt an und muss abgeleitet werden. Wasserdurchlässige Beläge wie Sickerpflaster oder Rasengittersteine, begrünte Flächen und Kiesbereiche lassen Wasser versickern und reduzieren so die Menge. Das entlastet nicht nur die eigene Entwässerung, sondern auch die Kanalisation und kann Gebühren senken.
Starkregen als wachsende Herausforderung
Der Umgang mit Oberflächenwasser wird durch den Klimawandel anspruchsvoller. Starkregenereignisse, bei denen in kurzer Zeit außergewöhnlich viel Wasser fällt, nehmen zu. Eine Entwässerung, die für normalen Regen ausgelegt ist, kann bei Starkregen an ihre Grenzen kommen. Deshalb lohnt es sich, bei der Planung Reserven einzuplanen: großzügig dimensionierte Abläufe, zusätzliche Versickerungsflächen und Notüberläufe, die überschüssiges Wasser gezielt an unkritische Stellen führen.
Besonders wichtig ist, bei Starkregen zu bedenken, wohin das Wasser läuft, wenn die reguläre Entwässerung überlastet ist. Ein durchdachtes Gefälle sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser im Ernstfall vom Haus weg und nicht in Keller oder tiefer gelegene Räume fließt. Diese vorausschauende Planung kann im Extremfall größere Schäden verhindern.
Weniger Versiegelung als Vorsorge
Die wirksamste Vorsorge gegen Probleme mit Oberflächenwasser ist, die versiegelte Fläche von vornherein zu begrenzen. Jeder Quadratmeter, der wasserdurchlässig gestaltet oder begrünt statt versiegelt wird, reduziert die Menge des abzuleitenden Wassers. Kiesflächen, Rasengittersteine, begrünte Bereiche und durchlässige Beläge tragen dazu bei, dass gar nicht erst zu viel Oberflächenwasser entsteht. Diese Zurückhaltung bei der Versiegelung entlastet die eigene Entwässerung ebenso wie die öffentliche Kanalisation.
Fazit
Oberflächenwasser ist Regenwasser, das auf befestigte Flächen fällt und kontrolliert abgeleitet werden muss. Mit einem Gefälle, Rinnen oder Punktabläufen und einer Ableitung in Versickerung, Rigole oder Kanalisation wird es sicher geführt. Wichtig sind der Grundsatz, Wasser vom Gebäude weg und nicht auf fremde Grundstücke zu leiten, sowie die Reduzierung der Versiegelung. Wer beides beachtet, hält seine Flächen trocken und geht verantwortungsvoll mit Regenwasser um.
Häufige Fragen
Was ist Oberflächenwasser?
Regenwasser, das auf befestigte, wenig durchlässige Flächen wie Terrassen, Wege, Einfahrten und Dächer fällt und dort nicht versickern kann. Es muss kontrolliert abgeleitet werden, damit es keine Schäden verursacht.
Wie leitet man Oberflächenwasser ab?
Über ein Gefälle zu Rinnen oder Punktabläufen und von dort in eine Versickerung, Rigole oder – wo zulässig – die Kanalisation. Ziel ist eine kontrollierte Führung des Wassers vom Gebäude weg.
Darf Oberflächenwasser auf das Nachbargrundstück laufen?
Nein. Wasser darf nicht unkontrolliert auf Nachbargrundstücke oder die öffentliche Straße geleitet werden. Jeder ist für die Ableitung des auf seinem Grundstück anfallenden Wassers selbst verantwortlich.
Muss Oberflächenwasser versickern?
Vielerorts ist die Versickerung auf dem Grundstück erwünscht oder vorgeschrieben, um die Kanalisation zu entlasten. Die Regelungen sind kommunal unterschiedlich und sollten vor der Planung geprüft werden.
Warum entsteht bei Starkregen so viel Oberflächenwasser?
Weil große versiegelte Flächen das Wasser nicht versickern lassen, sondern sofort ableiten. Bei Starkregen entstehen so in kurzer Zeit große Mengen, die Rinnen, Abläufe und die Kanalisation stark belasten.
Wie reduziert man die Menge an Oberflächenwasser?
Durch wasserdurchlässige Beläge, begrünte Flächen und die Versickerung vor Ort. Je weniger Fläche versiegelt ist, desto weniger Oberflächenwasser fällt an und muss abgeleitet werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Fachberatung im Einzelfall. Preisangaben sind Orientierungswerte.